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2.4.7.1. Merkmale & Umsetzungshinweise

Die „Paper-and-pencil version" (Häder & Häder, 2000)1, welche man als klassisches Delphi-Design bezeichnet, verfügt über einige Cha­rakteristika bzw. Stufen, nämlich die Mehrstufigkeit des Delphi-Pro­zesses, die schrittweise Erarbeitung einer tragfähigen Gruppenant­wort, Befragung von Experten und Anonymität der Einzelantworten.

Mehrstufigkeit des Delphi-Prozesses

Per Verwendung formalisierter Fragebogen oder Interviews werden Experten gebeten, mehrfach nacheinander ihr individuelles Urteil unabhängig von dem der anderen Experten zu bilden. In einer erstenBefragungsrunde erhalten die Teilnehmer meist eine oder mehrere offene Fragen zum Thema. Aus den Einzelurteilen der ersten Stufe werden bestimmte Informationen ermittelt, welche die Experten als erste Rückkopplung bzw. Rückmeldung zum Start der zweiten Runde erhalten. Diese Informationen werden dann durch Beantwortung neuer Fragen einer weiteren Bewertung unterzogen. Durch die von der Prozessleitung gesteuerte Rückkopplung haben die Experten immer wieder die Möglichkeit, ihr vorheriges Urteil zu überdenken und Informationen zu berücksichtigen, die der eine oder andere zuvor übersehen oder für nicht wesentlich erachtet hat.

Schrittweise Erarbeitung einer tragfähigen Gruppenantwort

Die Rückkopplung bewirkt, dass die informationellen Ausgangs­situationen der Experten von Stufe zu Stufe immer mehr angeglichen und Unterschiede der Einzelurteile abgebaut werden. Eine Annä­herung der Einzelurteile im Lauf der Befragungsrunden ist zu er­warten, und tatsächlich konnte in den meisten durchgeführten Delphi-Studien eine solche Konvergenz festgestellt werden.

Befragung von Experten

Es liegt in der Natur der Sache, dass Prognosen spekulativen Charak­ter haben. Hinsichtlich der Verlässlichkeit der Prognose muss somit versucht werden, den Anteil der Spekulation insgesamt auf niedrigem Niveau zu halten; deshalb werden nur Experten zu Prognosen aus ihrem Fachgebiet herangezogen (Becker, 1974)2. Zu beachten ist die Anzahl der ausgewählten Experten: Nach Dalkey (1958, zit. nach Becker, 1974)3 nimmt mit zunehmender Gruppengröße sowohl der durchschnittliche Gruppenirrtum ab als auch die Zuverlässigkeit der Gruppenurteile zu. Als Mindestumfang werden hier sieben Experten vorgeschlagen.

Anonymität der Einzelantworten

Wesentlich für die Delphi-Methode ist, dass die Methode keine of­fenen Gruppen-diskussionen kennt - die Mitglieder der Gutachter­gruppe, deren Einzelurteile das Gesamturteil bilden, bleiben unterei­nander anonym und geben ihr jeweiliges Urteil isoliert voneinander ab. Diese Anonymität ist Grundvoraussetzung für erfolgreiches Arbeiten mit der Delphi-Methode, da sie dazu beiträgt, gruppen­konformes Verhalten der Gutachter zu verhindern. Dalkey (1958, zit. nach Becker, 1974) konnte experimentell nachweisen, dass ohne Wahrung der Anonymität das Urteil nach der Diskussion weniger genau ist als der Durchschnitt der Meinungen, welche die Mitglieder der Diskussionsrunde vor der Diskussion vertraten.