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1.4.2.1. Beobachtungsverfahren

Eine Beobachtung ist auf viele Arten möglich. Die folgende Auflistung soll dir einen Überblick über die verschiedenen Beobachtungsverfahren geben. Dabei solltest du jedoch beachten, dass in der Praxis oft Mischformen vorkommen.

Beobachter

  • Selbst- oder Fremdbeobachtung: Beobachtest du dich selbst oder beobachtest du andere? Beobachtungen sind zumeist Fremdbeobachtungen; Selbstbeobachtungen sind in der Wissenschaft eher bedeutungslos.
  • Forscher als Beobachter oder externer Beobachter: Bist du als Forscher der Beobachter, oder hast du einen externen Beobachter für deine Forschungen beauftragt? Bei quantitativen Beobachtungen werden die Untersuchungen oft von externen Mitarbeitern durchgeführt, während bei qualitativen Beobachtungen der Forscher eher an der Beobachtung beteiligt ist. Allerdings musst du diese Entscheidung immer von deinem Forschungsdesign abhängig machen. 

Beobachtungssituation

  • Offene oder verdeckte Beobachtung: Bist du als Beobachter für diejenigen, die du beobachtest sichtbar (= offene Beobachtung) oder unsichtbar (= verdeckte Beobachtung)? Führst du eine offene Beobachtung durch, bedeutet dies nicht, dass die Beobachteten gleichzeitig wissen müssen, dass du sie beobachtest.
  • Wissentliche oder unwissentliche Beobachtung: Wissen die Beobachteten, dass du sie beobachtest? Eine unwissentliche und verdeckte Beobachtung wäre eigentlich als wissenschaftliches Verfahren ideal, da sich die Beobachteten so nicht in ihrem Verhalten beeinflussen lassen. Allerdings ist dieses Beobachtungsverfahren ethisch sehr problematisch, da sich die Beobachteten unwissend in möglicherweise sehr intimen Situationen präsentieren und ihr Vertrauen und ihre Privatsphäre somit missbraucht werden.
  • Teilnehmende oder nicht teilnehmende Beobachtung: Nimmst du als Beobachter am Geschehen, das du beobachtest, teil oder distanzierst du dich? Diese Entscheidung ist für eine Beobachtung eine der wichtigsten. Nimmst du an deiner Beobachtung selbst teil, verringerst du somit die Distanz zwischen dir als Forschenden und den Beobachteten. Damit erhältst du möglicherweise mehr Erkenntnisse. Jedoch musst du dafür Einschränkungen bei der Beobachtung und der Protokollierung in Kauf nehmen und es kann passieren, dass du betriebsblind wirst, d.h., wichtige Dinge nicht wahrnimmst, weil sie für dich als Teilnehmer einfach dazugehören. In der Praxis sind allerdings auch Mischformen aus teilnehmender und nicht teilnehmender Beobachtung möglich.
  • Feld- oder Laborbeobachtung: Beobachtest du Personen bzw. Gruppen in ihrer ‚natürlichen Umgebung' oder in einer Laborsituation? Wählst du eine Feldbeobachtung, ist die Authentizität des Verhaltens der beobachteten Personen eher gewahrt. Jedoch hast du bei einer Laborbeobachtung die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen weitestgehend zu kontrollieren und damit die Vergleichbarkeit deiner Beobachtungen zu verbessern. Du musst dafür aber die Künstlichkeit der Situation in Kauf nehmen.
  • Beobachtung mit oder ohne Stimulus: Konfrontierst du die Beobachteten mit einem Reiz? Je nach dem, was du mit deiner Beobachtung untersuchen möchtest, kann es sein, dass du die Beobachteten mit einem Stimulus konfrontieren musst. Dafür eignen sich (auch aus ethischer Perspektive) am besten Laborumgebungen. Wenn du einen Stimulus verwendest, führst du wahrscheinlich ein Experiment durch.
  • Direkte Beobachtung oder Beobachtung mit Verhaltensresultaten: Beobachtest du nicht Handlungen und Verhalten, sondern ihre Resultate? Wenn du Verhaltensresultate beobachtest (z.B. den Inhalt eines Mülleimers), dann solltest du wissen, dass du dich in einer ‚Grauzone' bewegst, da dies häufig nicht mehr unter eine Beobachtung fällt.
  • Strukturierte oder unstrukturierte Beobachtung: Hast du vor deiner Beobachtung genau festgelegt, was du beobachten möchtest? Beispielsweise kannst du dich im Vorfeld dafür entscheiden nur bestimmte Handlungstypen oder Personen zu beachten sowie nur die Körpersprache zu beobachten. 
  • Simultane Beobachtung oder Aufzeichnung: Beobachtest du ‚vor Ort' oder stützt du deine Beobachtungen auf Videomaterial? Wenn du Personen nur anhand von Videomaterial beobachtest, solltest du wissen, dass deine sinnliche Wahrnehmung auf die technischen Möglichkeiten begrenzt ist und du deine Beobachtungen möglicherweise nach Bildauflösung usw. einschränken musst.

Protokollierung

  • Standardisierte oder nicht standardisierte Protokollierung: Hältst du deine Beobachtungen in einem vorgefertigten (standardisierten) Protokoll- oder Fragebogen fest? Eine standardisierte Protokollierung mit ausführlichen Aufzeichnungen in Fragebögen ist jedoch während der Beobachtung nicht immer möglich. In diesem Fall bietet es sich an, dass du Notizen anfertigst, die du dann zur weiteren Ausarbeitung benutzen kannst. Nicht standardisierte Beobachtungen eignen sich meist für ein qualitatives Vorgehen.
  • Manuelle oder automatisierte ProtokollierungBeobachtest und wertest du selbst aus oder übernimmt das ein Computer(-programm) für dich? Automatische Verfahren werden beispielsweise im Bereich der Mediennutzung eingesetzt und protokollieren die Senderwahl.

Wichtig für dich ist zu wissen, dass die Beobachtung immer nur der DatenERHEBUNG dient. Wie du die Daten letztlich auswertest (z.B. mit einer Inhaltsanalyse, etc.) musst du dir in einem nächsten Schritt überlegen.


Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.


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